Suchbegriff: anna
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Der Kardinal von Richelieu und Ludewig derXIII waren gestorben; der eine wurde bewundert und gehaßt, der andere war schon vergessen. Sie hatten den Franzosen, welche damals sehr unruhig waren, Abscheu gegen das Ministerium, und wenig Ehrfurcht für den Thron hin terlassen. Ludewig der XIII richtete in seinem Testamente einen Rath auf, welcher die Regierung verwalten sollte. Dieser Monarche, welchem man bey seinem Leben wenig gefolget hatte, schmeichelte sich, Ludewigs des XIV. daß es nach seinem Tode eher geschehen würde; das erste aber, was seine Wittwe Anna von Oesterreich that, war dieses, daß sie durch einen Schluß des Parlements zu Paris den letzten Willen ihres Mannes für nichtig erklären ließ. Das Parlement war schon seit langer Zeit dem Hofe entgegen, und hatte unter Ludewigen kaum die Freyheit behalten Gegenvorstellungen thun zu dürfen; es hob also das Testament seines Königs mit eben der Leichtigkeit auf, mit welcher es etwa eine Streitsache zwischen gemeinenBürgern würde entschieden haben. Anna von Oesterreich wendete sich an diese Versammlung, um eine uneingeschränkte Regierung zu erhalten; weil sich Maria von Medicis nach dem Tode Heinrichs des IV gleichfalls dieses Tribunals bedient hatte, und ihr also hierinne vorgegangen war; und weil jeder andere Weg ungewiß und langweilig würde gewesen seyn, das von den Wachen umringte Parlement aber ihrem Willen nicht widerstehen konnte, und ein Schluß, welchen das Parlement und die Pairs ergehen ließen, das unwidersprechlichste Recht festzusetzen schien *.


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Der Kardinal von Richelieu und Ludewig derXIII waren gestorben; der eine wurde bewundert und gehaßt, der andere war schon vergessen. Sie hatten den Franzosen, welche damals sehr unruhig waren, Abscheu gegen das Ministerium, und wenig Ehrfurcht für den Thron hin terlassen. Ludewig der XIII richtete in seinem Testamente einen Rath auf, welcher die Regierung verwalten sollte. Dieser Monarche, welchem man bey seinem Leben wenig gefolget hatte, schmeichelte sich, Ludewigs des XIV. daß es nach seinem Tode eher geschehen würde; das erste aber, was seine Wittwe Anna von Oesterreich that, war dieses, daß sie durch einen Schluß des Parlements zu Paris den letzten Willen ihres Mannes für nichtig erklären ließ. Das Parlement war schon seit langer Zeit dem Hofe entgegen, und hatte unter Ludewigen kaum die Freyheit behalten Gegenvorstellungen thun zu dürfen; es hob also das Testament seines Königs mit eben der Leichtigkeit auf, mit welcher es etwa eine Streitsache zwischen gemeinenBürgern würde entschieden haben. Anna von Oesterreich wendete sich an diese Versammlung, um eine uneingeschränkte Regierung zu erhalten; weil sich Maria von Medicis nach dem Tode Heinrichs des IV gleichfalls dieses Tribunals bedient hatte, und ihr also hierinne vorgegangen war; und weil jeder andere Weg ungewiß und langweilig würde gewesen seyn, das von den Wachen umringte Parlement aber ihrem Willen nicht widerstehen konnte, und ein Schluß, welchen das Parlement und die Pairs ergehen ließen, das unwidersprechlichste Recht festzusetzen schien *.


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* Riencourt in seiner Historie Ludewigs des XIV ist so unverständig, daß er vorgiebt, das Testament Ludewigs des XIII sey durch das Parlement bestätiget worden. Was diesen Schriftsteller mag irre gemacht ha ben, ist dieses, daß Ludewig der XIII die Königinn in der That zur Regentin erkläret hatte, und dieses wurde bestätiget: er hatte aber ihr Ansehen eingeschränkt, und dieses wurde umgestoßen.


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Anna von Oesterreich war anfangs genöthigt den Krieg wider den König von Spanien, den IVten Philipp, ihren Bruder, welchen sie liebte, fortzusetzen. Es ist schwer eigentlich zu sagen, warum man diesen Krieg führte. Man verlangte nichts von Spanien, auch nicht einmal Navarra, welches doch das väterliche Erbtheil der Könige von Frankreich hätte seyn sollen. Man schlug sich seit 1635 herum, weil es der Kardinal von Richelieu so haben wollte. Frankreich und Schweden griffen auch den Kaiser an; die Stärke des Krieges aber war um diese Zeit auf der Seite von Flandern. Die spanischen Truppen rückten aus dem Hennegauischen, an die 26000 Mann stark, unter der Anführung eines alten versuchten Generals, mit Namen Don Francisco de Melos. Sie verwüsteten die Gränzen von Champagne; sie fielen Rocroy an, und hofften gar bald bis vor die Thore von Paris zu dringen, wie sie es acht Jahr vorher gethan hatten. Der Tod Lude Ludewigs des XIV.wigs des XIII, die Ohnmacht einer Minderjährigkeit machten ihre Hoffnung noch stärker, und als sie sahen, daß man ihnen nichts als eine Armee entgegenstellte, welche an Anzahl viel geringer war, und von einem Jünglinge von 21 Jahren angeführet wurde, so verwandelte sich ihre Hoffnung in Sicherheit.


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Die Königinn Anna von Oesterreich, als unum schränkte Regentinn, hatte den Kardinal Mazarin zum Herrn von Frankreich und zu dem ihrigen gemacht. Er hatte diejenige Herrschaft über sie, welche ein geschickter Mann über eine Frau haben mußte, welche mit genugsamer Schwachheit, sich regieren zu lassen, und mit hinlänglicher Standhaftigkeit, auf ihrer Wahl zu bestehen, gebohren war.


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Ob diese Königinn durch ihr Herz oder durch ihre Staatsklugheit zu dieser Wahl gebracht worden, dieses hat man niemals erfahren können, und auch die Scharfsichtigsten werden sich umsonst bemühen, es zu ergründen. Mazarin bediente sich Anfangs seiner Gewalt sehr mäßig. Man müßte lange Zeit mit einem Minister gelebet haben, wenn man bestimmen wollte, welchen Grad der Schwachheit oder Stärke sein Geist gehabt habe, und wie weit seine Klugheit Versuch über das Jahrhundert oder seine Betrügerey gegangen sey. Ohne also errathen zu wollen, was Mazarin war, wollen wir bloß sagen, was er gethan hat. Er bestrebte sich im Anfange seiner Größe eben so viel Einfalt sehen zu lassen, als Richelieu Hoheit gezeiget hatte. Er nahm keine Wachen an, er zog mit keiner königl. Pracht einher, und hatte zuerst ein sehr mäßiges Gefolge. Er brachte aller Orten Redseligkeit, ja sogar Weichlichkeit an, wo sein Vorfahrer nichts als unbeweglichen Stolz an Tag geleget hatte. Die Königinn wollte ihre Regentschaft und ihre Person dem Hofe und dem Volke beliebt machen, und es gelang ihr. Gaston, Herzog von Orleans, und Bruder Ludwigs des XIII, nebst dem Prinzen von Conde unterstützten ihre Gewalt, und ihre Eifersucht, gieng auf nichts, als dem Staate zu dienen.


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Ob diese Königinn durch ihr Herz oder durch ihre Staatsklugheit zu dieser Wahl gebracht worden, dieses hat man niemals erfahren können, und auch die Scharfsichtigsten werden sich umsonst bemühen, es zu ergründen. Mazarin bediente sich Anfangs seiner Gewalt sehr mäßig. Man müßte lange Zeit mit einem Minister gelebet haben, wenn man bestimmen wollte, welchen Grad der Schwachheit oder Stärke sein Geist gehabt habe, und wie weit seine Klugheit Versuch über das Jahrhundert oder seine Betrügerey gegangen sey. Ohne also errathen zu wollen, was Mazarin war, wollen wir bloß sagen, was er gethan hat. Er bestrebte sich im Anfange seiner Größe eben so viel Einfalt sehen zu lassen, als Richelieu Hoheit gezeiget hatte. Er nahm keine Wachen an, er zog mit keiner königl. Pracht einher, und hatte zuerst ein sehr mäßiges Gefolge. Er brachte aller Orten Redseligkeit, ja sogar Weichlichkeit an, wo sein Vorfahrer nichts als unbeweglichen Stolz an Tag geleget hatte. Die Königinn wollte ihre Regentschaft und ihre Person dem Hofe und dem Volke beliebt machen, und es gelang ihr. Gaston, Herzog von Orleans, und Bruder Ludwigs des XIII, nebst dem Prinzen von Conde unterstützten ihre Gewalt, und ihre Eifersucht, gieng auf nichts, als dem Staate zu dienen.


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In dieser Verzehrung blieb das Reich noch einige Jahre. Die Regierung nahm niemals andere als schwache und ungewisse Rathschlüsse: sie schien endlich unterliegen zu müssen: die Rebellen aber waren beständig uneins, und dieses errettete den Hof. Der Coadjutor, welcher bald des Prinzen von Conde Freund bald Feind war, brachte einen Theil des Parlements und des Volks wider ihn auf. Er unterstand sich zu gleicher Zeit der Königinn zu dienen, indem er diesem Prinzen die Spitze hielt, und sie zu beleidigen, indem er sie nöthigte, den Kardinal Mazarin zu entfernen, welcher seine Zuflucht nach Cöln nahm. Die Königinn war, vermöge des Widerspruchs, welcher bey schwachen Regierungen nur allzu gewöhnlich ist, genöthiget, sowohl seine Dienste als seine Beleidigungen anzunehmen, und eben den Coadjutor zum Kardinal zu ernennen, welcher der Urheber der Barricaden war, und die ganze königliche Familie ge

nöthiget hatte, aus der Hauptstadt zu entweichen und sie zu belagern.


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Ludewig der XIV, welcher in lauter Widerwärtigkeiten erzogen ward, zog mit seiner Mutter, seinem Versuch über das JahrhundertBruder und dem Kardinal Mazarin aus einer Provinz in die andere, und hatte kaum so viel Truppen um sich, als er nach der Zeit im Frieden bloß zu seiner Leibwache hatte. Fünf bis sechs tausend Mann, wovon ein Theil aus Spanien gekommen, der andere von den Freunden des Prinzen von Conde geworben worden, verfolgten ihn in dem Innersten seines Königreichs.


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Carl der erste, König in England, hatte seinen Kopf auf der Henkerbühne hergegeben, weil er zu Anfange der Unruhen das Blut seines ersten Ministers des Strafords seinem Parlemente Preis gege

* Den 12. August 1652.

Ludewigs des XIV. ben hatte. Ludewig der XIV gegentheils, kam in den ruhigen Besitz seines Königreichs, indem er die Verweisung des Mazarins duldete. Eben dieselben Schwachheiten, hatten also ganz verschiedene Folgen. Der König in England, indem er seinen Liebling aufgab, machte ein Volk kühne, welches sich nach dem Kriege sehnte, und die Könige haßte; und Ludewig der XIV, (oder vielmehr die Königinn Mutter) indem sie den Kardinal fortschickte, benahm allen Vorwand des Aufstandes einem Volke, welches des Krieges müde war, und die Beherrschung von Königen liebte.