Suchbegriff: lingelsheim_georg_michael
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1 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

Opitz (FG 200; 1629) beklagt sich über Venators Schweigen, will auch dessen Kranksein nicht als Entschuldigung gelten lassen. Johannes Scultetus hat Opitz über Venators Weg nach Frankreich und seine Aufnahme im Hause des gemeinsamen Gönners Michael Georg Lingelsheim (in Straßburg) unterrichtet. — Opitz muß seit über einem Jahr die Fremde sein Zuhause nennen, da er an keinem Orte bleiben konnte. Vorigen Sommer habe er den Rubikon an der Elbe überschritten und sei von den Fürsten von Anhalt recht wohl aufgenommen worden. Zuweilen finde er bei seinen Eltern (in Bunzlau) Ruhe zu dichten, wovon die mitgesandten Klage-Lieder Jeremia Zeugnis ablegen würden. Seine noch nicht ganz vollendete Übersetzung der ArgenisJohn Barclays sei schon in den Druck gegangen, sie werde jedoch kaum vor dem Herbst erscheinen. Zur geplanten Dacia antiqua fehle ihm noch die Muße. — Ein Angebot, zwei junge Adlige auf einer Reise zu begleiten, will bedacht sein. Burggf. und Herr Karl Hannibal zu Dohna, ein geradsinniger Katholik, werde in wenigen Tagen in Liegnitz mit Opitz über den Eintritt in seinen Dienst verhandeln. Komme es dazu, solle niemand Opitz verdächtigen. — Venator möge sich anstrengen und wieder den Musen opfern. Caspars v. BarthDeutscher Phoenix verdiene nicht den wohlriechenden Scheiterhaufen dieses Wundervogels. Dreimal habe Opitz nach seiner Rückkehr aus Siebenbürgen an Barth geschrieben. Da Barth schweige, habe er begonnen, ihn als Dichter zu verachten. — Venator möge Julius Wilhelm Zincgref grüßen, dem Opitz demnächst durch den nach Straßburg zurückkehrenden ,Flickschneider' Gradius einen Brief schicken werde. In aller Freundschaft befiehlt OpitzVenator, sein Schreiben an Ianus Gruterus zu übermitteln. Venator müsse ihm wirklich ein Epigramm auf den im vorigen Sommer verstorbenen Abraham v. Bibran machen, da BibranVenator nach Ausweis der Opitz gesandten Briefe sehr geliebt habe. Venator würde doch auch für den Fall seines eigenen Todes einen solchen Dienst schätzen.


2 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

Balthasar Venator (1594-1664), gekrönter Poet (1614) und Freund des Martin Opitz (FG 200), welcher ihn 1629 in seiner Schäfferey von der Nimfen Hercinie (Brieg 1630) auftreten ließ. Vgl. Reifferscheid, 780f.; Erich Volkmann: Balthasar Venator. Phil. Diss. Berlin 1936. Der ehemalige Heidelberger Hofsekretär lebte seit 1624 als Erzieher der Kinder Georg Michael Lingelsheims in Straßburg. Über seine bei der Eroberung Heidelbergs ausgestandenen Leiden, seine Gefangenschaft und den anschließenden Kriegsdienst berichtet Venator im Widmungsschreiben zu seinem „Panegyricus Iano Grutero scriptus" (Genevae 1630), zit. v. Reifferscheid, 870f. Nach Reifferscheid hatte Opitz zuletzt an ihn am 10. 5. 1625 geschrieben (a. a. O., Nr. 170). Venator beantwortete den vorliegenden Brief in Straßburg am 24. 3. 1626 (a. a. O., Nr. 198; Original in FB Gotha: Chart. A 473, Bl. 42, hiernach zit.; veröffentlicht in Jaski, 1-4). In diesem Schreiben bedankte er sich für die Übersendung der Neuerscheinung: Die Klage-Lieder Jeremia; Poetisch gesetzt Durch Martin Opitz; sampt noch anderen seinen newen gedichten (Görlitz 1626); Opitz II.2, 749-776. Voller Bewunderung fragte Venator: Quantum autem voluptatis speramus ex Argenide, ex ψalmis ex alijs? Er stellte die günstigen Umstände, unter denen Opitz solche Werke schaffen könne, den ärmlichen Verhältnissen gegenüber, unter denen ein Mann wie Ianus Gruterus im Städtchen Bretten ohne Förderung durch Fürsten und andere Große leben müsse. Er selber könne von Glück reden, da er im Hause Lingelsheims einen Unterschlupf gefunden habe, wo er von der Gelehrsamkeit und Weisheit dieses Mannes profitiere. Wenn ihn auch ein solches Leben nicht befriedige und ohne Hoffnung lasse, füge er sich dennoch in sein Schicksal. Abraham v. Bibran (1575-1625) — dessen Tod Opitz auch in der Vorrede zu den Klage-Liedern gedacht hatte — wolle er nicht vergessen (s. Anm. 21), jedoch sei er jetzt zu sehr in Eile. Venator schloß mit Grüßen an Bernhard Wilhelm Nüßler (s. 250700 I u. 260617 K 15) und Caspar Kirchner (250510, 250700 I u. 260617 K 14) und legte seinem Brief zwei eigene Werke bei: „Vitam Spinæ, et Epicedium Obentrautio factum." Über Venators Schreibfaulheit beklagt sich auch Ianus Gruterus in einem Brief an denselben vom 26. 11. 1625. Darin heißt es u. a.: Morbo quod excusas silentium, inique facis. Dolor enim cum sit querulus, nulli rei magis acquiescit, quam si amicis communicet sua incommoda. (a. a. O., 231). Über Venators Befinden vgl. noch Reifferscheid, Nr. 175, S. 224 (Gruterus an Lingelsheim, 10. 8. 1625): Admodum doleo valetudinem dn. Berneggeri ac dn. Venatoris, sed spero iam cum sanitate rediisse in gratias. Caniculares enim morbi non sunt durabiles. A. a. O., Nr. 196, S. 247f. (Gruterus an Venator, 5. 3. 1626) In dem von Todesstimmung gekennzeichneten Brief (Ego sane iam nunc in procinctu sum, ut, simul atque supernae tubae placuerit, evocanti occurram.) schreibt Gruterus: Tantum valet usus patratque vel omnia super fidem: nedum id tu non assequaris tali aetate, tali indole, tali industrria. Hoc unum doleo, etiam tibi esse cum morbo negocium. Verum eum facile dispuleris exercendo terram. Miseri, omnia agimus alia quam debebamus! Studia ea avare persequimur, quibus cruciemus cerebrum et phantasiam. Überblick über Venators und Opitz' Korrespondenz bei Volkmann, a. a. O., 16-18.

3 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

Balthasar Venator (1594-1664), gekrönter Poet (1614) und Freund des Martin Opitz (FG 200), welcher ihn 1629 in seiner Schäfferey von der Nimfen Hercinie (Brieg 1630) auftreten ließ. Vgl. Reifferscheid, 780f.; Erich Volkmann: Balthasar Venator. Phil. Diss. Berlin 1936. Der ehemalige Heidelberger Hofsekretär lebte seit 1624 als Erzieher der Kinder Georg Michael Lingelsheims in Straßburg. Über seine bei der Eroberung Heidelbergs ausgestandenen Leiden, seine Gefangenschaft und den anschließenden Kriegsdienst berichtet Venator im Widmungsschreiben zu seinem „Panegyricus Iano Grutero scriptus" (Genevae 1630), zit. v. Reifferscheid, 870f. Nach Reifferscheid hatte Opitz zuletzt an ihn am 10. 5. 1625 geschrieben (a. a. O., Nr. 170). Venator beantwortete den vorliegenden Brief in Straßburg am 24. 3. 1626 (a. a. O., Nr. 198; Original in FB Gotha: Chart. A 473, Bl. 42, hiernach zit.; veröffentlicht in Jaski, 1-4). In diesem Schreiben bedankte er sich für die Übersendung der Neuerscheinung: Die Klage-Lieder Jeremia; Poetisch gesetzt Durch Martin Opitz; sampt noch anderen seinen newen gedichten (Görlitz 1626); Opitz II.2, 749-776. Voller Bewunderung fragte Venator: Quantum autem voluptatis speramus ex Argenide, ex ψalmis ex alijs? Er stellte die günstigen Umstände, unter denen Opitz solche Werke schaffen könne, den ärmlichen Verhältnissen gegenüber, unter denen ein Mann wie Ianus Gruterus im Städtchen Bretten ohne Förderung durch Fürsten und andere Große leben müsse. Er selber könne von Glück reden, da er im Hause Lingelsheims einen Unterschlupf gefunden habe, wo er von der Gelehrsamkeit und Weisheit dieses Mannes profitiere. Wenn ihn auch ein solches Leben nicht befriedige und ohne Hoffnung lasse, füge er sich dennoch in sein Schicksal. Abraham v. Bibran (1575-1625) — dessen Tod Opitz auch in der Vorrede zu den Klage-Liedern gedacht hatte — wolle er nicht vergessen (s. Anm. 21), jedoch sei er jetzt zu sehr in Eile. Venator schloß mit Grüßen an Bernhard Wilhelm Nüßler (s. 250700 I u. 260617 K 15) und Caspar Kirchner (250510, 250700 I u. 260617 K 14) und legte seinem Brief zwei eigene Werke bei: „Vitam Spinæ, et Epicedium Obentrautio factum." Über Venators Schreibfaulheit beklagt sich auch Ianus Gruterus in einem Brief an denselben vom 26. 11. 1625. Darin heißt es u. a.: Morbo quod excusas silentium, inique facis. Dolor enim cum sit querulus, nulli rei magis acquiescit, quam si amicis communicet sua incommoda. (a. a. O., 231). Über Venators Befinden vgl. noch Reifferscheid, Nr. 175, S. 224 (Gruterus an Lingelsheim, 10. 8. 1625): Admodum doleo valetudinem dn. Berneggeri ac dn. Venatoris, sed spero iam cum sanitate rediisse in gratias. Caniculares enim morbi non sunt durabiles. A. a. O., Nr. 196, S. 247f. (Gruterus an Venator, 5. 3. 1626) In dem von Todesstimmung gekennzeichneten Brief (Ego sane iam nunc in procinctu sum, ut, simul atque supernae tubae placuerit, evocanti occurram.) schreibt Gruterus: Tantum valet usus patratque vel omnia super fidem: nedum id tu non assequaris tali aetate, tali indole, tali industrria. Hoc unum doleo, etiam tibi esse cum morbo negocium. Verum eum facile dispuleris exercendo terram. Miseri, omnia agimus alia quam debebamus! Studia ea avare persequimur, quibus cruciemus cerebrum et phantasiam. Überblick über Venators und Opitz' Korrespondenz bei Volkmann, a. a. O., 16-18.

4 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

Balthasar Venator (1594-1664), gekrönter Poet (1614) und Freund des Martin Opitz (FG 200), welcher ihn 1629 in seiner Schäfferey von der Nimfen Hercinie (Brieg 1630) auftreten ließ. Vgl. Reifferscheid, 780f.; Erich Volkmann: Balthasar Venator. Phil. Diss. Berlin 1936. Der ehemalige Heidelberger Hofsekretär lebte seit 1624 als Erzieher der Kinder Georg Michael Lingelsheims in Straßburg. Über seine bei der Eroberung Heidelbergs ausgestandenen Leiden, seine Gefangenschaft und den anschließenden Kriegsdienst berichtet Venator im Widmungsschreiben zu seinem „Panegyricus Iano Grutero scriptus" (Genevae 1630), zit. v. Reifferscheid, 870f. Nach Reifferscheid hatte Opitz zuletzt an ihn am 10. 5. 1625 geschrieben (a. a. O., Nr. 170). Venator beantwortete den vorliegenden Brief in Straßburg am 24. 3. 1626 (a. a. O., Nr. 198; Original in FB Gotha: Chart. A 473, Bl. 42, hiernach zit.; veröffentlicht in Jaski, 1-4). In diesem Schreiben bedankte er sich für die Übersendung der Neuerscheinung: Die Klage-Lieder Jeremia; Poetisch gesetzt Durch Martin Opitz; sampt noch anderen seinen newen gedichten (Görlitz 1626); Opitz II.2, 749-776. Voller Bewunderung fragte Venator: Quantum autem voluptatis speramus ex Argenide, ex ψalmis ex alijs? Er stellte die günstigen Umstände, unter denen Opitz solche Werke schaffen könne, den ärmlichen Verhältnissen gegenüber, unter denen ein Mann wie Ianus Gruterus im Städtchen Bretten ohne Förderung durch Fürsten und andere Große leben müsse. Er selber könne von Glück reden, da er im Hause Lingelsheims einen Unterschlupf gefunden habe, wo er von der Gelehrsamkeit und Weisheit dieses Mannes profitiere. Wenn ihn auch ein solches Leben nicht befriedige und ohne Hoffnung lasse, füge er sich dennoch in sein Schicksal. Abraham v. Bibran (1575-1625) — dessen Tod Opitz auch in der Vorrede zu den Klage-Liedern gedacht hatte — wolle er nicht vergessen (s. Anm. 21), jedoch sei er jetzt zu sehr in Eile. Venator schloß mit Grüßen an Bernhard Wilhelm Nüßler (s. 250700 I u. 260617 K 15) und Caspar Kirchner (250510, 250700 I u. 260617 K 14) und legte seinem Brief zwei eigene Werke bei: „Vitam Spinæ, et Epicedium Obentrautio factum." Über Venators Schreibfaulheit beklagt sich auch Ianus Gruterus in einem Brief an denselben vom 26. 11. 1625. Darin heißt es u. a.: Morbo quod excusas silentium, inique facis. Dolor enim cum sit querulus, nulli rei magis acquiescit, quam si amicis communicet sua incommoda. (a. a. O., 231). Über Venators Befinden vgl. noch Reifferscheid, Nr. 175, S. 224 (Gruterus an Lingelsheim, 10. 8. 1625): Admodum doleo valetudinem dn. Berneggeri ac dn. Venatoris, sed spero iam cum sanitate rediisse in gratias. Caniculares enim morbi non sunt durabiles. A. a. O., Nr. 196, S. 247f. (Gruterus an Venator, 5. 3. 1626) In dem von Todesstimmung gekennzeichneten Brief (Ego sane iam nunc in procinctu sum, ut, simul atque supernae tubae placuerit, evocanti occurram.) schreibt Gruterus: Tantum valet usus patratque vel omnia super fidem: nedum id tu non assequaris tali aetate, tali indole, tali industrria. Hoc unum doleo, etiam tibi esse cum morbo negocium. Verum eum facile dispuleris exercendo terram. Miseri, omnia agimus alia quam debebamus! Studia ea avare persequimur, quibus cruciemus cerebrum et phantasiam. Überblick über Venators und Opitz' Korrespondenz bei Volkmann, a. a. O., 16-18.

5 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

De itinere in Gallias tuo ScultetusWohl Johannes Scultetus, wie Opitz aus Bunzlau in Schlesien, kaiserl. gekrönter Poet, Schüler Matthias Berneggers in Straßburg.Reifferscheid, 768. 772; DBA 1304, 95. Vgl. Reifferscheid, 768: Scultetus' Arbeit über Suet. Caesar 77-79 (In C. Suetonii Tranquilli XII Caesares diatribe XII. quam in Argoratensi academia praeside M. Berneggero [...] examini publico submittet ad diem Iulii [ohne Tag] Iohannes Schultetus, Bolesla-Silesius. Argentorati, excudebat H. Findlerus A. 1623) ist Johannes Wessel, Caspar Kirchner, Michael Bartsch und Martin Opitz gewidmet. Der Ausdruck „De itinere in Gallias" in Opitz' Brief bezeichnet nur den Weg bzw. die Richtung der Venator nach Straßburg führenden Reise. Eine Fahrt Venators nach Frankreich ist für diese Zeit nicht belegbar. Vgl. Volkmann, a. a. O. mihi dixerat; ne me putes somniasse: idemque ut crederem, persuadebat tua taciturnitas. Nunc rectè tibi est, ut spero, apud communem utriusque nostrûm fautorem Ampliss. Lingelshemium;Georg Michael Lingelsheim (1556-1636), I. U. D., Lehrer des pfälz. Kurprinzen Friedrich (IV.), später kurpfälz. Oberrat, Mittelpunkt des Heidelberger Humanistenkreises und Förderer von Opitz und Venator. Vgl. Anm. 1. Opitz widmete „Hospiti quondam suo et Patrono domestico" das siebte Buch seiner Acht Bücher, Deutscher Poematum (Breßlaw 1625). Den Heidelberger Studenten Opitz hatte Lingelsheim in seinem Hause als Präzeptor angestellt. Durch den Krieg aus der Pfalz vertrieben, lebte Lingelsheim von 1621 bis 1633 wieder in seiner Heimatstadt Straßburg. NDB IV, 621 f.; Volker Press: Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559-1619. Stuttgart 1970; Reifferscheid, passim, hier bes. 912. Vgl. 250700 K 1. qui literas nostras tantoperè amat et æstimat. Ego quid agam, aut ubi vivam, scribere tibi non possum.


6 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

Georg Michael Lingelsheim (1556-1636), I. U. D., Lehrer des pfälz. Kurprinzen Friedrich (IV.), später kurpfälz. Oberrat, Mittelpunkt des Heidelberger Humanistenkreises und Förderer von Opitz und Venator. Vgl. Anm. 1. Opitz widmete „Hospiti quondam suo et Patrono domestico" das siebte Buch seiner Acht Bücher, Deutscher Poematum (Breßlaw 1625). Den Heidelberger Studenten Opitz hatte Lingelsheim in seinem Hause als Präzeptor angestellt. Durch den Krieg aus der Pfalz vertrieben, lebte Lingelsheim von 1621 bis 1633 wieder in seiner Heimatstadt Straßburg. NDB IV, 621 f.; Volker Press: Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559-1619. Stuttgart 1970; Reifferscheid, passim, hier bes. 912. Vgl. 250700 K 1.

7 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

Georg Michael Lingelsheim (1556-1636), I. U. D., Lehrer des pfälz. Kurprinzen Friedrich (IV.), später kurpfälz. Oberrat, Mittelpunkt des Heidelberger Humanistenkreises und Förderer von Opitz und Venator. Vgl. Anm. 1. Opitz widmete „Hospiti quondam suo et Patrono domestico" das siebte Buch seiner Acht Bücher, Deutscher Poematum (Breßlaw 1625). Den Heidelberger Studenten Opitz hatte Lingelsheim in seinem Hause als Präzeptor angestellt. Durch den Krieg aus der Pfalz vertrieben, lebte Lingelsheim von 1621 bis 1633 wieder in seiner Heimatstadt Straßburg. NDB IV, 621 f.; Volker Press: Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559-1619. Stuttgart 1970; Reifferscheid, passim, hier bes. 912. Vgl. 250700 K 1.

8 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

Georg Michael Lingelsheim (1556-1636), I. U. D., Lehrer des pfälz. Kurprinzen Friedrich (IV.), später kurpfälz. Oberrat, Mittelpunkt des Heidelberger Humanistenkreises und Förderer von Opitz und Venator. Vgl. Anm. 1. Opitz widmete „Hospiti quondam suo et Patrono domestico" das siebte Buch seiner Acht Bücher, Deutscher Poematum (Breßlaw 1625). Den Heidelberger Studenten Opitz hatte Lingelsheim in seinem Hause als Präzeptor angestellt. Durch den Krieg aus der Pfalz vertrieben, lebte Lingelsheim von 1621 bis 1633 wieder in seiner Heimatstadt Straßburg. NDB IV, 621 f.; Volker Press: Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559-1619. Stuttgart 1970; Reifferscheid, passim, hier bes. 912. Vgl. 250700 K 1.

9 - Martin Opitz an Balthasar Venator / 260217

Abraham v. Bibran, s. Anm. 1. ADB II, 614. Vgl. Lindner, a. a. O., 173f., Anm. 41: Diesem grundgelehrten und berühmten Hrn. von Bibran und Kitlitztreben auf Woitsdorf hat Henelius in Siles. togata ein würdiges Lob aufgesetzt, welches in seiner Siles. ren. VIII. p. 485 nachzulesen ist. Mit kurzem gedenke ich nur, daß er 1575 geboren, zu Görlitz und Leipzig studirt, Wälschland, Spanien, Frankreich, Engeland und Holland durchreiset, französische und wälsche Sprache vollkommen verstanden, daß er mit den größten Gelehrten in und außer Deutschland Briefe gewechselt, daß er der Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer Oberlandesrechtsitzer und Landesältester gewesen und 1625 gestorben ist.Opitz hatte Venator1624 eine Hofmeisterstelle im Dienste Bibrans versprochen. (O. an V., 5. 10. 1624; Reifferscheid, 195). Da Venator damals schon die Stellung im Hause Lingelsheims angetreten hatte, zerschlug sich das Projekt. Das geforderte Epigramm Venators auf Bibran ist unbekannt. In seinem Brief an Opitz v. 24. 3. 1626 (s. Anm. 1) versprach Venator dem Freunde, das Gedicht zu schreiben: Bibrani non obliviscar, sed id iam fieri non potuit, cum hae ipsae festinandae erant. Vgl. Volkmann, 16 u. 17.

10 - Martin Opitz an Fürst Ludwig / 250700 250700.1 250700.2

Das Manuskript der Gedichtsammlung (s. Q), in dem dieser Widmungsbrief erscheint, hatte Martin Opitz (FG 200, 1629) wohl Ende April 1625 vollendet. Vgl. 250510. Es schloß aber noch nicht die in 250700 bzw. 250700 I veröffentlichten Widmungsstücke ein. Die Abfassungsdaten des Briefs und des Gedichts können nur ungenau bestimmt werden. Tobias Hübner (FG 25) sandte Augustus Buchner (FG 362) die Titulatur der anhaltischen Fürsten und den Hinweis auf Ludwig als den einzig würdigen Empfänger einer Dedikation erst in 250609. Opitz reiste im Sommer 1625 in Sachsen und lebte bei Buchner in Wittenberg bis Ende Juli. Da das Werk wohl erst im Oktober 1625 erschien (s. 250218 A K 8), könnte der Brief auch noch nach Opitz' Besuch in Anhalt (vielleicht zusammen mit Buchner, zwischen dem 23. 6. u. 6. 7. 1625, s. 250609 K 6, 250706 K 1 u. 251100 K 1) im August oder September verfaßt worden sein. Der in Bunzlau am 8. 9. 1625 an Georg Michael Lingelsheim geschriebene Brief des Dichters bezeugt als erstes Schreiben Opitz' Rückkehr nach Schlesien. S. Reifferscheid, 177. Wahrscheinlicher ist aber eine Abfassung des Widmungsbriefs kurz vor Opitz' Reise nach Anhalt oder bald nach der Audienz bei dem Fürsten, der der geplanten Widmung zustimmen mußte. Sicherer ist die Datierung des in Beilage II wiederveröffentlichten Gedichts auf F. Ludwigs Tochter Loysa Amoena (TG 6). Zu Opitz' Besuch in Anhalt vgl. auch 260217. Daß F. LudwigOpitz nicht bei dessen Besuch oder bald darauf in die FG aufnahm, läßt sich wohl teilweise durch die Häufung der Todesfälle in der Familie des Fürsten erklären, dessen Gattin und einzige Tochter bald nach dem Hinscheiden seines einzigen Sohnes (F. Ludwig d. J. [FG 6], †1624) gestorben waren. (F. Ludwigs Gattin Amoena Amalia [AL 1618, PA, TG 2] verschied am 3. 9. 1625 bei der Rückreise des fürstlichen Paares in Oldenburg; Beckmann V, 492; prunklose Bestattung in Köthen erst am 25. 8. 1626 wegen der Einquartierung fremder Truppen; LHA Sa.-Anh.: Dessau A 10 Nr. 15, Bl. 23r.) Diese Schicksalsschläge, die ,Flucht' des Fürsten, der erst 1626 endgültig nach Anhalt zurückkehrte, die Kriegslage und schließlich die Inanspruchnahme durch eine neue Vermählung (12. 9. 1626) bedürfen allerdings in der Bewertung dieses Versäumnisses stärkerer Berücksichtigung, als sie sie in der Literaturwissenschaft gefunden haben. Zu der programmatische(n) Widmungsadresse an den Gründer der Fruchtbringenden Gesellschaft und zu Opitz' GewährsmannMelchior Goldast v. Haiminsfeld s. Klaus Garber: Zur Konstitution der europäischen Nationalliteraturen. In: Nation und Literatur im Europa der Frühen Neuzeit. Akten des I. Internationalen Osnabrücker Kongresses zur Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit. Hg. v. Klaus Garber. (Frühe Neuzeit I). Tübingen 1989, 1- 55, hier 46 (Lit.). Vgl. außerdem Johann Rist: Lob- Trawr- vnd Klag-Gedicht/ Vber gar zu frühzeitiges/ jedoch seliges Absterben/ Des ... Herren Martin Opitzen (Hamburg: Zacharias Hertel 1640); HAB: QuN 275 [19]:

Das Hauß von Anhalt pflag dich ja so hoch zu halten/
Als hoch gepriesen ward der Maro bey den Alten
Fürst Ludowig der hat so innig dich geliebt/
Daß er in deiner Kunst sich selber offt geübt.
O vberseligs Land/ da Wissenschafft regieret
Vnd nicht nur blosser Pracht die hohe Herrschafft führet!
Den wo der Fürst im Land' ist selber hochgelehrt/
Da wird der Musen Volck gehalten lieb vnd werth.
(Bl. [D iiij]r, V. 505-512) Rist (FG 467) kommt in der Anmerkung zu V. 505 auf die an F. Ludwig gerichtete Widmungsvorrede zu sprechen: Wie lieb vnd angenehm vnser seliger Herr Opitz dem hochfürstlichen vnd vhraltem Hause Anhalt/ insonderheit aber dem hochberühmten Fürst Ludowigen sey gewesen/ wissen diejenige am besten/ welche die gnädige Gewogenheit gegen Herren Opitzen auß jhrer Fürstl. Gn: selbst eigenem Munde gehöret vnd im Wercke selber gesehen. Es bezeugets auch das grosse Vertrawen gegen einen solchen hoch verständigem Fürsten/ dadurch Herr Opitz seliger bewogen worden/ den ersten vnd grösseren Theil seiner Teutschen Gedichte/ diesem Leutseligen Fürsten für alle andere Potentaten des Teutschlandes zu übergeben vnd zuzuschreiben. (Bl. H ij)